»Eine Hexe? Du bist eine richtige Hexe?«

Wenn ich Menschen erzähle, was ich beruflich mache, ist die Reaktion immer dieselbe. Kaum einer hält für möglich, dass ich eine weiße Hexe bin und als solche eine Hexenschule in Wien betreibe, in der ich interessierte Frauen zur Magieberaterin ausbilde. Ich passe schon rein optisch gar nicht ins Bild einer »normalen« Hexe, denn ich habe weder eine Knollennase noch sitzt ein Rabe auf meiner Schulter. Außerdem bin ich viel jünger, als die meisten von einer Frau, die Birgit heißt und seit ihrer Kindheit mit Naturkünsten und magischen Ritualen in Berührung ist, erwarten.

Alles, was ich weiß, habe ich von meiner Großmutter und ihrem Hexenzirkel erfahren. Ich habe darüber hinaus das Buch der Schatten einer anderen, sehr weisen heilkundigen Frau geerbt. Dabei handelt es sich um eine Art Arbeitsbuch, in dem sie ihre eigenen Rezepte, Beschreibungen von Kräutern, Zaubersprüche und Rituale sammelte. Ein Buch der Schatten ist wie ein Tagebuch oder Journal, in dem eine Hexe ihr gesammeltes Wissen festhält ‒ auch ihre Erfahrungen oder Erlebnisse, die sie während der Ausübung ihrer Hexerei gemacht hat. Ich habe auch ein eigenes Buch der Schatten und wurde schon oft gefragt, für wie viel Geld ich es verkaufen würde. Meine Antwort ist stets dieselbe: »Mein Buch der Schatten ist unverkäuflich.« Man kann diese Bollwerke des Wissens und der Erfahrung erben, aber kaufen kann man sie nicht.

Allerdings verspüre ich seit geraumer Zeit den Wunsch, meine Kenntnisse zu teilen. In der Hexenschule arbeite ich mit meinen Schülerinnen und den Dozentinnen eng zusammen und führe jeden, der es möchte, in die Kunst der weißen Magie ein. Mit dem Buch, das du in den Händen hältst, habe ich die Möglichkeit, noch mehr Menschen zu erreichen, die wissen wollen, welche zauberhaften Kräfte und magischen Energien in jedem von uns wohnen, wie wir uns die Natur zunutze machen können, wie wir die Omen der Zukunft deuten dürfen und welche Bedeutung die Jahreskreisfeste in unserer Welt noch haben. Hexerei gehört nicht ins Mittelalter ‒ sie ist höchst lebendig und lässt sich ganz einfach in den Alltag der modernen Frau integrieren. Für mich ist dabei besonders wichtig, dich mithilfe von weißer Magie zu stärken und dich zurück in deine ureigene, weibliche Kraft zu bringen. Mein Ziel ist es, dir zu zeigen, wie du die Energien der Natur in deinen Alltag integrierst, dich selbst annimmst und die weibliche Kraft entfesselst, die in dir schlummert.

Wenn du dich also von Magie angezogen fühlst und dich all das fasziniert, was wir nicht mit den Augen wahrnehmen, bist du hier genau richtig! Nicht alles, was uns widerfährt, können wir mit dem Verstand erklären. Die Magie setzt genau hier an: Sie reicht in beide Welten, die irdische, tatsächliche, aber auch die spirituelle, nicht greifbare. Manche Rezepte unserer Natur- und Kräuterlehre sind ganz einfach und nachvollziehbar, andere Rituale und Praktiken setzen eine gewisse Offenheit für metaphysische Prozesse voraus. Woran auch immer du glaubst: Dieses Buch möchte dir ein hilfreicher Begleiter auf deinem Weg zurück zu dir selbst sein. Denn die weiße Magie verfolgt nur ein Ziel: den einzelnen Menschen zu stärken und ihm niemals zu schaden. Dieser Mensch solltest an erster Stelle du selbst sein.

Aber was ist weiße Magie eigentlich? Man unterscheidet ganz allgemein zwischen weißer und schwarzer Magie beziehungsweise Hexerei. Eine weiße Hexe besitzt Kräfte, die sie durch die Natur erweckt und mit den Geistern des Himmels und der Erde bekräftigt. Ich verstehe sie als Zaunreiterin; sie weiß, dass es die Anderswelt gibt, und kann gute Gaben von dort in die irdische Welt holen. Eine weiße Hexe versteht, welches Ritual und welches Kräuterwerk sie verwenden muss, um sich selbst und andere zu reinigen. Sie verbindet sich mit der positiven Magie und nimmt den Kampf gegen schwarze Mächte auf.

Theoretisch kann jeder magische Grundkenntnisse, die er sich angeeignet hat, zu falschen Zwecken einsetzen. Zum Beispiel indem er versucht, mithilfe seiner Kräfte böse oder egoistische Ziele zu verfolgen. Schwarze Magie will schaden, weiße Magie möchte fördern. Du solltest schwarze Magie niemals anwenden, denn alles, was du schwarzmagisch hervorrufst, fällt dreifach auf dich zurück.

Natürlich ist es manchmal so, dass man enttäuscht oder wütend auf eine Person ist. Vielleicht wurdest auch du schon betrogen oder hast etwas verloren, was dir sehr wichtig war. Das könnten Auslöser sein, durch die du mit dem Gedanken spielst, schwarze Magie anzuwenden, du möchtest einem oder einer anderen schaden. Doch das wird dein Leid nicht lindern, ganz im Gegenteil: Es wird auf dich zurückfallen, und du wirst dich schlechter fühlen als je zuvor.

Wenn du also als Hexe wirken möchtest, ist es wirklich wichtig, immer wieder deine Motive zu überprüfen. Was willst du, was will ein anderer? Schadest du ihm oder ihr mit deinen Wünschen? Gehst du den Weg des Mangels oder der Fülle?

 

In diesem Buch wirst du lernen:

 

Alles Wissen, das du in diesem Buch findest, habe ich von meiner Großmutter und anderen Mentorinnen vermittelt bekommen. Das magische Wissen ist seit Anbeginn der Zeit eines, das von Frau zu Frau übermittelt wird. Früher gab es viele starke Frauen: griechische und römische Göttinnen, mythologische Halbwesen, keltische Priesterinnen, ägyptische Herrscherinnen, Amazonen, Sibyllen, Stammesfürstinnen … Frauen, die mithilfe der Natur und den Kräften der Erde an ihre ureigensten Energien kamen.

In der griechischen Mythologie ist Gaia eine der ersten Gottheiten ‒ sie stellt die Muttererde da. Ihr Name, der indogermanischen Ursprungs ist, bedeutet »Gebärerin«. Aus ihr geht alles hervor. Die Römer nannten diese Göttin Kybele oder auch die Große Göttermutter. In vielen Religionen und Kulturen kennt man diese Urmutter, die alles Leben hervorgebracht hat und als Fruchtbarkeitsgöttin verehrt wird. Sie steht in enger Verbindung zur Natur und dem Leben, welches sie erschafft, aber auch zerstören kann.

Vermutlich ist das der Grund, warum die Kirche sich irgendwann nicht anders zu helfen wusste, als alle Frauen, die über eine wie auch immer geartete Macht oder besondere Kenntnisse verfügten, als Hexen abzustempeln, zu verfolgen, zu foltern und auf bestialische Art hinzurichten. Über Jahrhunderte verfolgte die Kirche im Zuge der Hexenverfolgung etwa drei Millionen Menschen und ließ zwischen 40#000 und 60#000 von ihnen hinrichten.

Mit den Verurteilten, meistens waren es Frauen, starb auch ihr Wissen. Und so kommt es, dass unser Geschlecht heute vergessen hat, wie wir uns mit der Natur verbinden und in unsere natürliche Kraft kommen können. Auch wenn wir uns heute »Feminismus« und »Frauenpower« auf Statement-Shirts und Fahnen schreiben, fehlen uns doch oftmals die tiefen, ganzheitlichen Einblicke in das archaisch Weibliche. Wir nehmen männliche Verhaltensmuster und Tugenden an und versuchen, die härteren Kerle und tougheren Typen zu sein. Wir haben verlernt, aus unserer Weichheit und Weiblichkeit unsere Kraft zu schöpfen und die Welt mit Empathie, Intuition und der Verbundenheit mit dem Leben zu einem besseren Ort zu machen. Dieses Buch mag nicht die Antwort auf alle Fragen sein, die dir auf der Seele brennen. Aber ich hoffe, dass es mir mit der Hexenschule gelingt, modernen Frauen wie dir das uralte Wissen meiner Mentorinnen zu vermitteln und dich auf deinem Weg zu dir ein kleines Stück zu begleiten.

 

Hex, hex!